„Wie Paare über Geld reden können“ – Interview mit Paartherapeutin Sabine Vogt
Was blockiert Paare beim Thema Geld? Wie können sie neue Gesprächswege finden? Im Interview gibt Sabine Vogt Einblicke in ihre Arbeit und berichtet von Lösungsansätzen aus der Praxis.
Was sind die häufigsten Kommunikationsblockaden bei Geldgesprächen?
Die häufigste Blockade ist die Angst, verurteilt oder nicht verstanden zu werden. Viele Menschen haben gelernt, dass Geld ein sensibles Thema ist. In Beziehungen führt das oft dazu, dass einer schweigt und der andere sich unverstanden fühlt. Ein erster Schritt kann sein, einen sicheren Raum für das Gespräch zu schaffen, zum Beispiel bei einem Spaziergang oder mit einer klaren Zeitvereinbarung. Wichtig ist, das Thema nicht zwischen Tür und Angel anzusprechen. Wer sich Zeit nimmt, signalisiert dem Gegenüber Wertschätzung. Das reduziert die Hemmschwelle für Offenheit.
Welche Verhaltensmuster beobachten Sie besonders häufig?
Typisch ist, dass Paare in gewohnte Muster zurückfallen: Einer übernimmt die Kontrolle, der andere zieht sich zurück. Es hilft, sich die Dynamik bewusst zu machen und aktiv neue Rollen auszuprobieren. Zum Beispiel können Aufgaben im Umgang mit Geld regelmäßig getauscht werden. So erlebt jeder einmal die Perspektive des anderen. Das fördert Verständnis und baut Vorurteile ab. Wichtig ist, das Ganze spielerisch und ohne Druck anzugehen.
Wie kann man festgefahrene Konflikte auflösen?
Wenn sich Konflikte festfahren, hilft es, das Thema für einen Moment ruhen zu lassen und später mit etwas Abstand wieder darauf zurückzukommen. Hilfreich ist auch, einen neutralen dritten Blick einzunehmen – etwa, indem beide überlegen, wie sie als Außenstehende die Situation bewerten würden. Das öffnet oft neue Perspektiven und macht es leichter, über Gefühle zu sprechen, ohne sich gegenseitig anzugreifen.
Was empfehlen Sie für eine langfristig bessere Gesprächskultur?
Kleine Rituale helfen, regelmäßig im Gespräch zu bleiben: Zum Beispiel ein monatlicher Termin, bei dem beide erzählen, wie sie die finanzielle Situation erleben – ohne Bewertung, einfach als Austausch. Wer sich vornimmt, einander mindestens eine offene Frage zu stellen, schafft Raum für neue Impulse. Wichtig ist, dass es kein Pflichttermin wird, sondern eine Einladung zum Austausch.